Mit Zug, Rad und Zelt wollte ich mal wieder zu den blinden Flecken auf meiner Landkarte reisen. Diesmal hieß dieser Fleck Görlitz. Von Berlin aus fuhr ich zunächst mit dem Regionalzug über Frankfurt/Oder nach Cottbus. Großes Gedränge auf dem dortigen Bahnsteig. Ich konnte es gar nicht glauben, dass so viele Menschen genauso wie ich den Zug in Richtung Zittau nehmen wollten. Mit meinem Faltrad und dem kleinen Zelt im Gepäck quetschte ich mich irgendwie hinein in den Wagen. Mit einigen Podcasts im Ohr und mit gelegentlichem Lesen von „The Communication Book“ von Mikael Krogerus* ließ sich die beengte Zugfahrt gut meistern.
Übernachtung im Kühlhaus Görlitz
Für die zwei Übernachtungen entschied ich mich für das Kühlhaus Görlitz, wo Camping, Co-Working-Space und Cocktailbar eine allliterative Symbiose auf einer ehemaligen Industriebrache im Wald eingehen. Solltet Ihr echt mal ausprobieren. Ich empfand es als angenehm bodenständig, ruhig und trotzdem komfortabel. Ein gemütlicher Pavillon mit Vintage-Möbelstücken war der willkommene Ort, um mal kurz die Fuße bei einem Kaltgetränk hochzulegen. Nebenbei konnte man sogar im kleinen Kreise der Gäste Fußballspiele via Leinwand verfolgen. Nach der ersten Halbzeit „Deutschland-Schottland“ zog ich mich dann jedoch in die Ruhe meines Zeltes zurück.


Mit dem Faltrad nach Zgorzelec
An zwei Tagen kann man in der Gegend viel erleben: in der am anderen Neißeufer gelegenen Schwesterstadt Zgorzelec kann man sich auch ganz gut die Zeit vertreiben. Durch mein Faltrad war ich zudem sehr flexibel und konnte viele Ecken der Kleinstadt binnen kurzer Zeit erkunden.

Kulinarik in Zgorzelec
Als Freund der polnischen Küche (Lesetipp für die Kulinariker:innen unter Euch: „Polen vegetarisch„*) konnte ich es mir nicht nehmen lassen, ein Restaurant mit polnischer Küche aufzusuchen. So genoss ich dort im „Miódmaliny“ das kulinarische Highlight meiner Reise. Hausgemachte Limo, dazu Entenleber mit Preiselbeeren, dazu noch Kartoffelpüree. Puuuh, ich war satt. Aber das Essen war nicht das Einzige, was mich hier begeisterte. Es war das gesamte „Drumherum“. Türkisfarbene Inneneinrichtung, zahlreiche Spiegel, dazu extravagante Lampen … und im Hintergrund liefen Chansons von Mieczysław Fogg. Tolle Atmosphäre.

Kunst, Kino und Konzerte
Mit etwas Glück entdeckt man in Görlitz eine ganze Menge Kultur abseits der gut erhaltenen Altstadt. So kann man kurz mal das Projekt „Kunsthalle Görlitz“ besuchen (das nun mittlerweile wieder die Türen schließen musste und eine neue Bleibe sucht).




Am frühen Abend besuchte ich noch den Film „Von Müttern und Vätern“ in der Kinobar Heine, die bekannt ist für ihr Art-House-Filmprogramm. Im Anschluss stolperte ich dann noch eher zufällig in einen Konzertabend eines Studentenwohnheims.

Umgebung von Görlitz
Aber Görlitz und seine Umgebung glänzen auch mit viel Natur. Mit dem Fahrrad kann man Richtung Süden weiterfahren und dann über die Neiße wieder rüber nach Polen fahren. Ggf. kann man daraus eine kleine Rundtour machen und auf polnischer Seite auf einem tollen Radweg quer durch die Natur wieder gen Norden zurück nach Zgorzelec und Görlitz düsen.
Alles in Allem sind Görlitz und seine Schwesterstadt Zgorzelec auf jeden Fall einen kleinen Zwei-Tages-Ausflug wert. Probiert´s mal aus. Übringens: zahlreiche Kultur- und Ausflugstipps in Görlitz abseits der ausgetretenen Pfad findet Ihr im PLAN B.






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