Meine Rastlosigkeit flüsterte mir gestern kurz vor 6 zu: „Dennis, fahr doch mal spontan aus Berlin raus.“ Um 7 stand Stettin als Ziel fest, um 8 saß ich in der Berliner S-Bahn, um kurz vor 11 war ich in Polen. Los ging es in Berlin-Karow mit der Linie S2. Dann kurzer Umstieg in Bernau in die Regionalbahn RE3, mit der ich bis Pasewalk fuhr. Dort steigt man in den RE4 um, der direkt nach Szczecin Glowny fährt. Tipp für alle, die mit Deutschlandticket oder anderen Nahverkehrskarten unterwegs sind: Sowohl im Zug als auch an den in der Region befindlichen Fahrkartenautomaten kann man sich ein Grenzfahrtticket für 2,50 EUR (Stand: 2024) kaufen. Macht nicht den Fehler, die Verbindung Grambow (letzter Bahnhof in Deutschland) nach Stettin online über bahn.de zu kaufen. Dort zahlt Ihr ein Vielfaches des o. g. Preises.
Kunsthalle TRAFO in Stettin
Angekommen am Stettiner Hauptbahnhof, führte mich mein Weg zur Kunsthalle TRAFO, einem modernen Kulturzentrum, das in einem ehemaligen Umspannwerk untergebracht ist. Die Mischung aus industriellem Charme und zeitgenössischer Kunst war faszinierend. Nach einem stärkenden Heißgetränk in dem angeschlossenen Café, stöberte ich ein wenig in dem kleinen niedlichen Buchladen. Die Ausstellung, die ich mir im Anschluss ansah, war zwar größtenteils unverständlich, aber hey … das Gebäude war echt beeindruckend. So bestaunte ich vielmehr die Architektur an Stelle der Kunst.

Architektur im Wandel
Anschließend schlenderte ich durch die Straßen und entdeckte hier und da bunte Graffitis, die willkommene Farbtupfer über den rauen Charme der Stadt legten. Es war interessant zu sehen, wie die Kunst die Stadtlandschaft prägt und ihr eine besondere Note verleiht.
Der städtebauliche Charme des postsozialistischen Umbruchs war überall spürbar. Die Mischung aus alten, teils verfallenen Gebäuden und modernen Neubauten zeigte eindrucksvoll die Veränderungen, die die Stadt durchlaufen hat und derzeit immernoch durchläuft. Man konnte förmlich die Geschichte und den Wandel Stettins spüren.

Auf meinen Reisen habe ich es mir mittlerweile zur Gewohnheit gemacht, Plattenläden und Buchhandlungen ausfindig zu machen. So erregte der kleine Plattenladen Winyle Szczecin meine Aufmerksamkeit, und ich verbrachte eine ganze Weile damit, durch die Schallplatten zu stöbern. Der Besitzer erzählte mir ein wenig über die polnische Musikszene. Dieser Laden ist echt was für Vinyl-Puristen. Es war ein echtes Highlight, diesen kleinen Schatz inmitten der Stadt zu entdecken.
Ein paar Minuten vom Plattenladen entfernt entdeckte ich das Restaurant Gospoda Zbójnicka, das sich auf polnische Küche spezialisiert hat. Zum Abschluss meines Ausflugs konnte ich es mir daher nicht nehmen lassen, dort ein paar Piroggen zu futtern. Diese traditionellen polnischen Teigtaschen waren genau das Richtige, um meinen Bauch zu füllen. Aber auch die Einrichtung war Klasse: Wuchtige Holzvertäfelungen an den Decken und Wänden und Fellimitate als Sitzunterlage bestimmten das Bild. Eine rustikale Atmosphäre mitten in der Großstadt.
Die Zeit verging wie im Flug, und bevor ich mich versah, war es Zeit, die Rückreise anzutreten. Der spontane Ausflug nach Stettin hat mich sehr begeistert und ich bin mir sicher, dass ich bald wiederkommen werde. Die Stadt hat noch so viel mehr zu bieten, und ich freue mich schon darauf, noch tiefer in ihre Kultur und Geschichte einzutauchen.






Literaturtipp für Stettin
Polen vegetarisch* – Fantastisches Kochbuch, mit dem man sich auf den Stettin-Trip einstimmen kann
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